Die Top Voices des großen Städel KI Festivals „Imagining Futures in Noisy Times“ beantworten unsere Fragen zur KI, Kunst und Zukunft.
Eher Technologie-Optimist oder -skeptiker?
Skeptischer Technologie-Optimist. Ich bin überzeugt, dass KI die Gesellschaft, die Wissenschaft, die Bildung und auch die Kreativität enorm bereichern kann – in jedem Fall aber verändern wird. Gerade deshalb halte ich einen kritisch-reflektierten Umgang für zentral, notwendig und sogar unerlässlich: Gute Technologien erkennt man nicht daran, dass sie möglichst viel für uns übernehmen, sondern daran, dass sie unser eigenes Denken stärken.
Eine Prognose für 2035: Mensch oder KI?
2035 wird nicht „Mensch oder KI“ sein, sondern „Mensch mit KI“. Der eigentliche Wettbewerb wird zwischen Menschen liegen: zwischen denen, die KI kritisch-reflektiert, kreativ und kompetent nutzen, und denen, die sich von ihr nur Antworten liefern lassen. Gleichzeitig wird es auch Menschen geben, die KI gezielt für Manipulation, Betrug oder andere schädliche Zwecke einsetzen. Entscheidend ist deshalb nicht, wer die bessere Technik hat, sondern wer die Urteilskraft und Verantwortung darüber behält.
Wie sieht für dich das Museum der Zukunft aus?
Das Museum der Zukunft verbindet das Original mit intelligenter Vermittlung. KI kann dabei helfen, Kunstwerke individuell zugänglich zu machen, neue Perspektiven zu eröffnen und komplexe Zusammenhänge personalisiert sichtbar zu machen – aber das unmittelbare Erlebnis vor dem Original bleibt unersetzlich.
Über 700 Jahre Kunst – Team Rembrandt, Renoir oder Richter?
Rembrandt. Seine Bilder zeigen, wie Licht, Perspektive und Beobachtung Wirklichkeit sichtbar machen – genau diese Verbindung von Wahrnehmung, Interpretation und Erkenntnis fasziniert mich auch wissenschaftlich, gerade in einer Zeit, in der KI immer überzeugendere Bilder und Erklärungen erzeugen kann.
Dein KI-Hack, auf den du nicht mehr verzichten möchtest?
Ich nutze KI als „Sparringspartner“. Nicht, um fertige Antworten zu bekommen, sondern um Argumente zu schärfen, Gegenpositionen zu entwickeln und eigene Ideen kritisch herauszufordern. Die besten Ergebnisse entstehen meist dort, wo Mensch und KI sich gegenseitig herausfordern und verbessern.
Was ist dein liebster Offline-Moment?
Der Moment, wenn ich mit Papier und Stift eine Idee skizziere oder ein komplexes Problem durchdenke. Gerade weil wir heute ständig digital arbeiten, entstehen viele der besten Gedanken immer noch ohne Bildschirm.
Foto: LMU
Jochen Kuhn leitet seit 2022 den Lehrstuhl für Didaktik der Physik an der LMU München und ist dort zudem als Vizepräsident für Innovation in Lehre und Lehrkräftebildung tätig. Der promovierte Physiker und habilitierte Didaktiker leitete zuvor die Arbeitsgruppe Didaktik der Physik an der TU Kaiserslautern (heute RPTU). Er forscht zum Lehren und Lernen mit multiplen Repräsentationen, zum Einsatz digitaler Medien sowie im Bereich Zukunftstechnologien wie AR-Smartglasses im MINT-Unterricht, insbesondere in der Physik. In seiner Forschung verbindet er fachspezifische Fragebögen mit prozessbasierten Methoden wie Eyetracking.
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