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6 Fragen an Melina Hoischen

Die Top Voices des großen Städel KI Festivals „Imagining Futures in Noisy Times“ beantworten unsere Fragen zur KI, Kunst und Zukunft.

19. August 2026

Eher Technologie-Optimistin oder -skeptikerin?
Beides. Ich bin ein großer Fan von neuen Technologien, sie bringen uns als Gesellschaft in vielerlei Hinsicht voran und helfen uns den Alltag besser und effizienter zu gestalten. Aber, und das ist sicher keine Überraschung, ich weiß auch um den Reiz, und die Wichtigkeit von analogen Methoden. Mir persönlich gibt ein Buch aufzuschlagen und damit auf einer Parkbank in der Sonne zu sitzen deutlich mehr, als das mit einem EBook Reader zu tun. Aber die Frage ist auch viel zu „einfach” gestellt. Technologie kann ja vieles sein und je nach dem über was man spricht würde da meine Einschätzung anders ausfallen…

Eine Prognose für 2035: Mensch oder KI? 
(Ich gehe davon aus Kunst von Menschen, oder der KI?) Hundert Prozent… Mensch. Du SIEHST, zumindest bis zum heutigen Tag, wenn Kunst von KI gestaltet wurde. Eine Sache wird sie nie auf Leinwand, oder wo auch immer hinbringen können: Seele. Die KI wird nie ihre Seele, ihr ganzes ich, ihre Erlebnisse oder ihr Innerstes in ein Kunstwerk legen, das kann nur ein Mensch. Mit echten Gefühlen. Und ich finde es ist ein großer Teil von Kunst, wenn nicht sogar der größte, dass in jedem Werk ein Stück des Künstlers steckt.  
KI-Kunst erfährt gerade einen riesigen Shitstorm auf Social Media. Da geht es mitunter natürlich auch darum, dass hier ganze Existenzen bedroht werden. Illustratoren oder Fotografen z.B. haben es derzeit besonders schwer. Ich persönlich habe noch nie richtig gute KI-Kunst gesehen. ich bin offen dafür, aber der Funke, dieses Stück Seele, wovon ich eben sprach, das konnte KI mir bis jetzt noch nie geben.  

Wie sieht für dich das Museum der Zukunft aus?
Für mich ist das Museum der Zukunft ein Ort, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbindet. Es bewahrt nicht nur Objekte, sondern erzählt Geschichten und macht sie für Menschen emotional erfahrbar. Ich glaube, Museen werden in Zukunft noch interaktiver und zugänglicher sein. Digitale Technologien wie Augmented Reality oder künstliche Intelligenz können dabei helfen, historische Welten lebendig werden zu lassen, aber die Technik darf niemals das Original ersetzen. Nie! Nichts kann den Moment ersetzen, in dem man vor einem echten Gemälde, einem antiken Artefakt oder einem historischen Dokument steht und spürt: Dieses Objekt hat Geschichte erlebt.

Das Museum der Zukunft ist außerdem ein offener Ort für alle, unabhängig von Alter, Herkunft oder Vorwissen. Es lädt zum Mitmachen, Fragen stellen und Diskutieren ein. Kinder können dort spielerisch entdecken, Erwachsene neue Perspektiven gewinnen und Menschen miteinander ins Gespräch kommen.

Kurz gesagt: Das Museum der Zukunft ist kein stiller Aufbewahrungsort für die Vergangenheit, sondern ein lebendiger Raum, der uns hilft zu verstehen, wer wir sind, woher wir kommen und welche Zukunft wir gestalten möchten. Es wird: Interaktiver. Zugänglicher. Kurzweiliger.  

Über 700 Jahre Kunst – Bist du eher Team Rembrandt, Renoir oder Richter?
Das ist eine fast unmögliche Frage :) , weil jeder dieser Künstler etwas ganz Besonderes in sich trägt. Und uns hinterlassen hat! Wenn ich mich aber entscheiden müsste, wäre ich wohl Team Rembrandt. Ich liebe an seiner Kunst, dass sie so unglaublich menschlich ist. Seine Gemälde erzählen von Freude, Schmerz, Alter, Verlust und Hoffnung, und das auf eine Weise, die uns auch nach Jahrhunderten noch berührt.  

Renoir begeistert mich für seine Leichtigkeit und die Schönheit des Augenblicks, während Richter zeigt, dass Kunst immer wieder neue Wege finden kann, die Welt zu betrachten und zu hinterfragen.

Aber genau das macht die Kunstgeschichte ja so faszinierend: Man muss sich eigentlich gar nicht für ein Team entscheiden. Über 700 Jahre Kunst zeigen uns, wie vielfältig menschliche Kreativität sein kann… und jede Epoche erzählt etwas über die Menschen, die sie hervorgebracht haben.

Dein KI-Hack, auf den du nicht mehr verzichten möchtest?
Mein liebster KI-Hack ist tatsächlich, KI als kreativen Sparringspartner zu nutzen. Der Job als Creator kann manchmal überraschend einsam sein – man verbringt viele Stunden allein mit Ideen, Konzepten und Skripten. Deshalb liebe ich es, mit KI zu brainstormen, neue Perspektiven zu entdecken und Fragen gestellt zu bekommen, auf die ich selbst vielleicht gar nicht gekommen wäre.  

Was ist dein liebster Offline-Moment?
Jeder Abend, wenn ich der Reihe nach jedes meiner Kinder ins Bett bringe und sie mir kurz vorm Einschlafen ihr Herz öffnen und vom Tag erzählen. Daran erinnere ich mich, wenn ich 80 jahre alt bin, und dann würde ich sicher gerne wieder in diesen Moment zurückreisen. :)

Foto: Melina Hoischen

Melina Hoischen ist Creator, Moderatorin und Autorin. Unter dem Pseudonym „Miss History“ begeistert sie seit 2021 auf Social Media rund eine Million Fans mit unterhaltsamen und niederschwelligen Inhalten zu historischen Themen und Fakten. Als Host des ZDFKultur-Formats „Das ist also Kunst“ klärt sie über Kunstgeschichte auf. Zudem ist sie Autorin mehrerer Bücher, darunter „Elisabeth soll heiraten“ und „Victoria sucht ein Geschenk“ sowie „Mystery mit Miss History“, und wurde gemeinsam mit Marcel Reif als Schirmherrin des HISTORY-AWARD 2026 ausgezeichnet. 


Das Städel KI Festival „Imagining Futures in Noisy Times“  findet am Freitag und Samstag, dem 4. und 5. September 2026 statt. Das umfangreiche Programm mit Vorträgen und Talks sowie Workshops und Führungen schafft einen offenen Raum für Austausch, Reflexion und Begegnung zu zentralen Fragen der Zukunft: Wie wandelt sich die Rolle des Museums im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz? Wie verändert KI den Zugang zu Kunst und zu Wissen? Und wie prägt KI unser Miteinander?

Mehr Infos und Tickets findet ihr hier.

Das STÄDEL KI FESTIVAL wird gefördert durch die Aventis Foundation und die Gemeinnützige Hertie-Stiftung. Weitere Unterstützung erfährt das Projekt durch die Rudolf-August Oetker-Stiftung, die Fazit-Stiftung sowie Procter & Gamble.

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