Zwei Tage lang verwandelte das STÄDEL KI FESTIVAL das Museum in einen Ort, an dem Zukunft neu gedacht wurde. Zwischen Keynotes, Performances, Workshops und Experimenten mit KI ging es dabei um mehr als neue Technologien, sondern auch um die Frage, wie wir in Zeiten des Umbruchs leben wollen – und wie wir Zukunft selbst gestalten können.
„Wir gestalten unsere Zukunft selbst!“ Moderator Michel Abdollahi unterstreicht jede Silbe, indem er wie ein Dirigent die gelb-lila Moderationskarten in seiner Hand in Richtung Publikum schwingt. „Das ist eine große Aufgabe, aber wir kriegen das hin!“ Sein Blick ist freundlich, fast ein wenig herausfordernd, nach vorne gerichtet. Über den Köpfen von ihm und Laura Casez leuchtet der Schriftzug „STÄDEL KI FESTIVAL. IMAGINING FUTURES IN NOISY TIMES“. Casez lächelt abwechselnd Abdollahi und das Publikum an. Sie wird gleich die Keynote von Björn Ommer, Mitentwickler von Stable Diffusion und Professor an der LMU, ankündigen. Schauplatz sind die Gartenhallen, ein riesiger, lichtdurchfluteter Raum, in dem herausragende Werke der Gegenwartskunst von Künstlerinnen und Künstlern wie Rosemarie Trockel, Gerhard Richter und Grace Weaver ausgestellt sind. Vor der Bühne warten die Zuschauer gebannt auf die Keynote, darunter treue Besucher des Städels, Tech-Enthusiasten, Kritiker und Interessierte.
Imagining Futures in Noisy Times
Das zweitägige Städel KI Festival widmete sich am 4. und 5. September 2026, wie der Untertitel verrät, den Utopien, die wir uns in Zeiten gesellschaftlicher und technologischer Umbrüche vorstellen können – und müssen. Festivalgänger füllten an diesen beiden Tagen zusätzlich zu den regulären Besuchern das Museum. Neben Michel Abdollahi und Laura Casez moderierten unter anderem Eva Schulz und Vivian Perkovic das Programm auf zwei Bühnen. Das Repertoire an Speakern umfasste Stimmen aus Wissenschaft, Medien und Kunst. Ijoma Mangold, Constanze Kurz, Bernhard Pörksen, Wolfgang M. Schmitt und Hito Steyerl sind nur einige der hochkarätigen Stimmen.
Neben den Bühnen erstreckte sich das KI Festival über das gesamte Museum. Vor Beckmanns Gemälde Synagoge (1919) konnten Besucher an der Station REALTALK 1864 des Jüdischen Museums eine digitale Rekonstruktion der Frankfurter Judengasse entdecken. Zwei Räume weiter hielt die Kontur eines Körpers, die mit Klebeband auf dem Parkett umrissen wird, dazu an, mithilfe von KI einen Kriminalfall zu lösen. Weitere Stationen stellten das digitale Roederstein Jughenn Archiv vor oder gaben die Möglichkeit, eine von NODE entwickelte KI mit Prompts zu füttern. Wer dem Gang hinter der Prompt-Station zur Rotunde des Museumsanbaus folgte, konnte an zahlreichen Workshops in den Städel Ateliers teilnehmen und die eigene Expertise, Meinung oder die eigenen Wünsche einbringen. Es wurden Diskussionen um das Museum der Zukunft geführt, historische Bilder mit KI eingefärbt und Stimmungs-Suchmaschinen für Kunst entwickelt. Im gesamten Haus gaben Führungen Einblicke in die Sammlung des Städel Museums und zeigten, was uns die Kunst von gestern über die Zukunft von morgen verraten kann.
Zwischen den Bühnen
Im sonnigen Städel Garten liegt der Geruch von Kaffee in der Luft. Hier tauschen sich die Besucher darüber aus, was sie in den Keynotes, Panels, Impulsen, Workshops, Stationen oder Führungen gehört, erlebt und mitgenommen haben. Für die notwendige Stärkung zwischen den Programmpunkten sorgen Foodtrucks, die Burger, Getränke und Eis anbieten. Einige Festivalgänger liegen auf dem Rasen und genießen die Wärme des Spätsommers. An den Stehtischen werden angeregte Diskussionen geführt, und im Eingang des Metzler-Saals, der Location der zweiten Bühne, versammeln sich die Besucher, um an der interaktiven KI-Performance von Interrobang teilzunehmen. Während der Performance steuern die Teilnehmer per Smartphone einen Cursor, der auf die Videoleinwand an der Kopfseite des Saals gebeamt wird. Hierbei können sie sich anonym zu Fragen der westlichen Demokratie positionieren, eine fiktive KI-Regierung wählen und Quizfragen beantworten. Moderiert wird die Performance von einer KI-generierten griechischen Statue, die an die Ursprünge der Demokratie im antiken Athen erinnert.
KI und Museum
Wir kehren zurück zu der Keynote von Björn Ommer. „Es gibt nicht die eine KI, und es gibt somit nicht die eine Art und Weise, mit der KI umzugehen,“ sagt er. Die Bilder auf den Folien an der Wand hinter ihm: Offensichtlich KI-generiert. Die Worte des Professors beschreiben die inhaltliche Essenz des Festivals sehr treffend. Eine klare Antwort zum gesellschaftlichen Umgang mit Künstlicher Intelligenz liefern die Utopien und Zukunftsvorstellungen, die während des Festivals den Raum füllen, nicht. Aber teilweise einig scheinen sich die Speaker und Teilnehmenden in einer gewissen Konjunktur des Menschlichen zu sein – die Uneinigkeit beginnt jedoch schon bei der Definition dessen, was wir als menschlich bezeichnen. In diesem Sinne verließ wohl kein Besucher das Festival mit einer abgeschlossenen Idee über mögliche Zukünfte. Aber vielleicht mit etwas Wertvollerem: dem Bewusstsein, dass Zukunft nicht einfach passiert, sondern, dass sie der Mitgestaltung bedarf.
P.S. Dieser Beitrag wurde ganz ohne KI geschrieben. (Vielleicht)
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