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Große Talente, große Erinnerungen

Wer künstlerisches Talent hat, bekommt hier die Chance, es weiterzuentwickeln: Für das kostenfreie Förderprogramm Kunsttalente von Schirn, Städel und Liebieghaus können sich jetzt Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren bewerben. Die ehemaligen Teilnehmerinnen Antonia und Ela erzählen, was das Programm besonders macht und welche Erfahrungen sie gesammelt haben und geben Tipps für alle, die selbst Kunsttalent werden möchten.

Antonia: Wie bist du eigentlich dazu gekommen, bei den Kunsttalenten mitzumachen? Wann war das? 

Ela: Im Sommer 2009 hat mich meine Lehrerin auf das Programm aufmerksam gemacht und gefragt, ob ich mitmachen möchte. Darüber habe ich mich sehr gefreut, weil ich damals schon viel Interesse an Kunst hatte und die Möglichkeit spannend fand, mich auch außerhalb der Schule damit zu beschäftigen. Und du, wie war das bei dir? 

Antonia: Bei mir war es ganz ähnlich, allerdings ein paar Jahre später. Auch ich wurde von meiner Kunstlehrerin angesprochen, das war 2013. Für mich kam das genau zum richtigen Zeitpunkt, da ich mich während meiner Zeit in Australien zunehmend mit meinen eigenen künstlerischen Interessen beschäftigt hatte.
 

Werk von einem der Kunsttalente 2025, Foto: Städel Museum – Tetyana Lux

Inge Brocar und Claudia Gaida, Foto: Städel Museum – Tetyana Lux

Abschlusspräsentation Kunsttalente 2025, Foto: Städel Museum – Tetyana Lux

Ela: Mit welchen Erinnerungen blickst du heute auf deine Zeit als Kunsttalent zurück? 

Antonia: Sehr positiv. Die Teilnahme war für mich mit viel Engagement und Verantwortung verbunden. Gleichzeitig habe ich die Gruppe als einen geschützten und wertfreien Raum erlebt, in dem ich mich sehr wohlgefühlt habe. Besonders die beiden Kunstpädagoginnen Claudia Gaida und Inge Brocar waren wichtige Bezugspersonen für mich. Die regelmäßigen Treffen mit ihnen wurden zu einer festen Konstante und haben mein Selbstbewusstsein gestärkt. Außerdem habe ich gelernt, über die Kunst einen besseren Zugang zu meinen Gefühlen zu finden. Gibt es etwas, das du in deiner Zeit als Kunsttalent besonders gelernt hast? Hat sich dein Blick auf Kunst verändert? 

Ela: Auf jeden Fall. Ich habe gelernt, weniger kritisch mit mir selbst zu sein und Kunst unbefangener und offener zu betrachten als im Schulunterricht. Es ging weniger um „richtig“ und „falsch“, sondern darum, eigene Ideen zu entwickeln und auszuprobieren. Besonders die gemeinsamen Ausstellungsbesuche und der Rundgang in der Städelschule haben meinen Blick geschult. Dadurch habe ich viele unterschiedliche künstlerische Ansätze und Zugänge zur Kunst kennengelernt. 
 

Kunsttalente, Foto: Städel Museum

Kunsttalente, Foto: Städel Museum

Werk von einem der Kunsttalente 2024, Foto: Städel Museum – Tetyana Lux

Ich erinnere mich noch gerne daran, wie wir manchmal durchs Museum gelaufen sind und nur fünf Minuten Zeit hatten, um fünf Bilder abzuzeichnen. Das war eine richtig gute Übung und hat unseren Blick auf die Werke noch einmal ganz anders geschärft. Das, was du über die Gruppe beschrieben hast, daran denke ich auch besonders gerne zurück.

Antonia: Und der Kontakt mit den anderen war immer sehr freundschaftlich, oder? Obwohl wir uns anfangs nicht kannten, sind wir im Laufe des Jahres als Gruppe eng zusammengewachsen. Unsere Vielfalt habe ich als große Bereicherung erlebt. Alle haben andere Ausdrucksformen und Ansichten mitgebracht und durch den Austausch mit den anderen habe ich gelernt, offener auf andere zuzugehen und unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen. Gleichzeitig habe ich gemerkt, wie inspirierend es sein kann, sich gegenseitig Feedback zu geben und voneinander zu lernen. Umso spannender war dann der Moment, als wir unsere eigenen Werke präsentiert haben.

Ela: Ja das finde ich auch, es ist einfach ein ganz besonderes Gefühl, die eigenen Arbeiten einem Publikum zu präsentieren. Zu sehen, wie andere Menschen auf die Werke reagieren und sich mit ihnen auseinandersetzen, war sehr bestärkend. 

Kunsttalente 2025, Foto: Städel Museum – Tetyana Lux

Kunsttalente 2025, Foto: Städel Museum – Tetyana Lux

Abschlusspräsentation Kunsttalente 2024, Foto: Städel Museum – Tetyana Lux

Besonders toll war es, noch einmal auf die im Laufe des Jahres entstandenen Arbeiten zurückzublicken und auszuwählen, welche Werke gezeigt werden sollten. Gleichzeitig war es auch ein Schritt, die eigenen Arbeiten loszulassen und sie der Interpretation anderer zu übergeben. Die Rückmeldungen und Gespräche haben mir neue Perspektiven auf meine Werke eröffnet. Das hat mir gezeigt, dass Kunst immer im Dialog entsteht. Was würdest du künftigen Kunsttalenten mit auf den Weg geben? 

Antonia: Scheut euch nicht, euch auf die Erfahrung einzulassen und offen für alles zu sein, was euch in dieser Zeit begegnet. Als Kunsttalent kann man sich selbst auf ganz neue Weise kennenlernen, die eigenen Stärken entdecken und persönlich wachsen. Je mehr man sich auf die Projekte, den Austausch mit den anderen und die künstlerischen Herausforderungen einlässt, desto mehr kann man für sich selbst daraus mitnehmen. Es ist eine Erfahrung, die weit über das künstlerische Arbeiten hinausgeht und einen oft noch lange begleitet. 

Abschlusspräsentation Kunsttalente 2024, Foto: Städel Museum – Tetyana Lux

Abschlusspräsentation Kunsttalente 2025, Foto: Städel Museum – Tetyana Lux

Abschlusspräsentation Kunsttalente 2025, Foto: Städel Museum – Tetyana Lux

Ela: Total. Und durch das Jahr bei den Kunsttalenten, in dem wir im Städel Museum und im Liebieghaus ein und aus gegangen sind, habe ich eine ganz besondere Verbundenheit zu den Museen entwickelt, die bis heute anhält. Ich habe das Gefühl, dass wir die Sammlungen in diesem Jahr auf eine ganz andere Art und Weise kennengelernt haben. Umso schöner ist es, jetzt hier zu arbeiten und gemeinsam mit dir unsere Jahre bei den Kunsttalenten noch einmal Revue passieren zu lassen.


Die Anmeldefrist zur Kunsttalente-Aufnahmeprüfung ist Freitag, der 28. August 2026. Mehr Informationen und das Anmeldeformular gibt es hier

Nach der Aufnahmeprüfung werden 12 Jugendliche ausgewählt, die ein Jahr lang eine intensive individuelle, künstlerische Förderung erhalten. Dabei spielt das Erarbeiten individueller künstlerischer Konzepte eine genauso wichtige Rolle, wie die Auseinandersetzung mit verschiedenen Materialien und Techniken. Das von der Stiftung Giersch geförderte, kostenfreie Programm ist deutschlandweit einmalig und stärkt seit 2006 die Vielfalt und Chancengleichheit – unabhängig von Sozialisation oder Schulform. 

Antonia Berghäuser ist Volontärin im Marketing, Onlinekommunikation & Branding, Ela Dutta ist Volontärin im Ausstellungsmanagement. 

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