Seit März haben die „Truthennen“ von Fritz Melis ein neues Zuhause im Städel Garten gefunden und sorgen dort für einen echten Blickfang. Mit dem Werk des zu Lebzeiten sehr erfolgreichen Bildhauers knüpft das Städel Museum an seine Reihe spannender Wiederentdeckungen an.
Ein Besuch des 2022 fertiggestellten Städel Gartens ist immer ein Erlebnis: figurative Skulpturen aus Bronze begrüßen das Publikum auf vielfältige Weise und laden dazu ein, das Zusammenspiel von Kunst und Natur zu erleben.
Seit Anfang März 2026 ergänzen die „Truthennen“ aus dem Jahr 1968 von Fritz Melis (1913-1982), das Skulpturenprogramm im „ersten Ausstellungsraum“ des Städel Museums. Im westlichen Gartenbereich, in direkter Nachbarschaft von Elmgreen & Dragsets „Si par une nuit d’hiver un voyageur“ (2017) und dem „Reiter“ (1910–1911, Guss 1920) von Arthur Volkmann, entfaltet das Werk seine Wirkung. Mit seiner kantig-geometrischen Form tritt es in einen spannenden Dialog mit den Skulpturen aus ganz unterschiedlichen Epochen.
Die „Truthennen“ sind in ihrer Formensprache ein markantes Beispiel der figurativen Nachkriegsmoderne, die maßgeblich von Künstlern wie Bernhard Heiliger, Gerhard Marcks oder Ewald Mataré geprägt wurde.
Ein besonderer Blick für die Tiere
Fritz Melis studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin unter anderem bei Ludwig Gies, der den bekanntesten Bundesadler im Plenarsaal des Bundestages geschaffen hat. Später war er Meisterschüler von Hugo Lederer. Wie viele seiner Künstlerkollegen befasste sich Melis bereits in jungen Jahren mit Tierdarstellungen. Durch häufige Zoobesuche schulte er sein Sehen für die Gestalt und Verhaltensweisen von Tieren und auch den Blick für ihre Interaktion miteinander. Typisch für seine Werke ist eine feine Wiedergabe des Wesens der Tiere: Er fängt die Physiognomie und Körpersprache präzise ein und gibt ihnen dabei eine abstrakte Form.
Fritz Melis zählt zu den erfolgreichsten Bildhauern Südwestdeutschlands in den 1960er und 1970er Jahren. Für seine Kunst am Bau war er ebenso bekannt wie für die Darstellungen von abstrahierten Vogelschwärmen und Vogelgruppen aus Bronze. Ein bekanntes Beispiel ist die Arbeit „Kreisende Adler“ aus dem Jahr 1967, die nahe der Villa Berg in Stuttgart zu sehen ist und bis heute die Umgebung prägt. Weitere Werke befinden sich im Garten des Atelierhauses von Fritz Melis in Metterzimmern (Bietigheim-Bissingen), das nach Vereinbarung besucht werden kann.
Wie viele Bildhauer, die zu Lebzeiten etabliert waren und mit großen Skulpturen den öffentlichen Raum bestimmten, geriet auch Melis bald nach seinem Tod außerhalb seines südwestdeutschen Wirkungsraumes in Vergessenheit. Umso schöner ist es, dass das Städel die „Truthennen“ zeigen kann. Das Museum hat in den letzten Jahren immer wieder Künstler vorgestellt, die aus dem Blick der Öffentlichkeit und der Kunstgeschichte geraten waren. Von Fritz Melis Sohn, dem renommierten Fotografen Roger Melis, besitzt das Städel ebenfalls eine wichtige Werkgruppe.
Der Städel Garten lädt während der Öffnungszeiten des Museums zum Verweilen ein. Im Frühjahr 2026 bietet auf dem Vorplatz ein Foodtruck mit französisch inspirierten Speisen und Getränken zusätzlichen Genuss, zum Beispiel in Kombination mit dem Besuch der Ausstellung „Monets Küste. Die Entdeckung von Étretat“.
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