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„Ich brenne nicht nur für eine Sache“

Eines der bedeutendsten Vermächtnisse von Kunstwerken der klassischen Moderne und der internationalen Nachkriegskunst der letzten Jahrzehnte hat das Städel Museum von Ulrike Crespo erhalten. Wer war diese Frau, die die Kunst liebte? Vier ihr verbundene Menschen antworten.

Jenni Werner — 23. November 2021

Das Leben Ulrike Crespos (1950-2019) war von der Kunst geprägt. Als Kind wuchs sie inmitten der Kunstsammlung ihres Großvaters Karl Ströher auf, die sie später in Teilen erbte. Schon als Schülerin entdeckte sie die Fotografie für sich, studierte dann Kunstgeschichte, später Psychologie. Ihr Menschenbild war auf das Engste mit Kunst und Kultur verbunden. Das drückte sie nicht nur in ihrer Tätigkeit als Fotografin und Kunstsammlerin aus. 2001 gründete sie in Frankfurt die Crespo Foundation, um andere Menschen durch Kunst und Kultur stark zu machen.

Ulrike Crespo 1976, mit „Study for Seascape #6“ von Tom Wesselmann, Foto: Crespo Foundation

Frau Bacher, wie war Ulli Crespo als Mensch?

„Ulli war toll! Sie hatte Hummeln im Hintern, sprühte vor Unternehmungslust und Kreativität. Nichts wiederholte sich, jedes Projekt, das sie anging, war neu und wieder anders. Trotz dieser steten Unruhe in ihr nahm sie sich Zeit für den Menschen gegenüber. Sie konnte wunderbar zuhören, man konnte ihr alles anvertrauen. Das Interesse war ehrlich und kam von Herzen.“

Renate Bacher war langjährige persönliche Assistentin von Ulrike Crespo und ist heute Assistentin des Vorstands der Crespo Foundation.

Die Stifterin „Ulli“ 2017 beim SABA-Bildungsstipendium, Foto: Crespo Foundation

Frau Stein, was lag der Stifterin Ulli am Herzen?

„Ulli wollte es Menschen ermöglichen, sich zu selbstbestimmten, eigenverantwortlichen Persönlichkeiten zu entwickeln. Sie wollte, dass alle eine gleichberechtigte Chance auf gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe bekommen, um ihr Leben frei und unabhängig zu gestalten. Kunst und Kultur waren für sie dazu essentiell – geradezu Bestandteil des menschlichen Seins. „Menschen stark machen!“ das Motto, das sie der Stiftung mit auf den Weg gegeben hat, beinhaltet genau das: Unsere Programme ermöglichen Menschen Zugang zu Bildung und Kunst, damit sie ihre persönlichen Potenziale entschlüsseln und entfalten können.“

Cora Stein war Mitarbeiterin der ersten Stunde in der Crespo Foundation und ist dort heute Bereichsleiterin für Bildung und Soziales.

Herr May, wie wurde Ulli Crespo zur Mäzenin?

„Ulli Crespo kam aus einer bekannten Unternehmerfamilie. Ihr Großvater war nicht nur ein Industrieller, sondern auch ein bedeutender Kunstsammler. Und die Großeltern haben sich sozial stark engagiert. Das hat Ulli geprägt. Sie wollte mit ihrem Erbe etwas Sinnvolles machen! Ihre Interessen waren breit gefächert: Kunst, Musik, Bildung, Soziales. „Axel, ich brenne nicht nur für eine Sache!“, sagte sie mir damals. Zuerst förderte sie die Kronberg Academy. Als das Unternehmen der Familie Anfang 2000 verkauft wurde, gründete sie die Crespo Foundation, um eigene Bildungs- und Sozialprojekte zu entwickeln. 2008 wurde Ulli Crespo das Bundesverdienstkreuz verliehen. Sie verstarb kinderlos und machte ihre Stiftung zur Alleinerbin.“

Dr. Axel May war langjähriger persönlicher Berater und Freund von Ulrike Crespo und ist heute Vorsitzender des Stiftungsrats der Crespo Foundation.

Frau Riedel, wer ist die Fotografin Ulrike Crespo?

„Ulli Crespo hatte einen überaus versierten Blick auf Kunst. Und sie war als Fotografin selbst künstlerisch tätig. Die Fotografie wurde im Laufe ihres Lebens immer wichtiger für sie. Auch hier war sie voller Kreativität und Unternehmungslust. Als Landschaftsfotografin unternahm sie waghalsige „picture taking expeditions“ in entlegene Gegenden der Erde. Daneben konzentrierte sie sich mit experimentellen Fototechniken auf den Mikrokosmos von Pflanzen und Blüten. Ihre Arbeiten wurden in einer Reihe von Publikationen veröffentlicht, die einen wunderbaren Einblick in das Werk der Fotokünstlerin Ulli Crespo geben.“

Prof. Christiane Riedel war Vorständin des ZKM Karlsruhe und ist seit 2020 Vorständin der Crespo Foundation.

Auf Fotoexpedition: Ulrike Crespo 2013 in Island, Foto: Crespo Foundation

Ulrike Crespo lebte und arbeitete in Frankfurt am Main, in Wien und in West Cork, Irland. Sie verstarb im Oktober 2019 nach kurzer, schwerer Krankheit. Dem Städel Museum vermachte sie ein Konvolut von über 90 Werken aus ihrer Kunstsammlung. Eine Auswahl davon wird in der Ausstellung „Zeichen der Freundschaft. Ulrike Crespo beschenkt das Städel Museum“ bis zum 6. März 2022 präsentiert.


Die Fragen stellte Jenni Werner, Referentin Kommunikation der Crespo Foundation.

Die Ausstellung „Zeichen der Freundschaft. Ulrike Crespo beschenkt das Städel Museum“ läuft bis 6. März 2022. Zur Mäzenin Ulrike Crespo gibt es ein Filmporträt, in dem das Vermächtnis und ihr Leben vorgestellt werden.

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