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Françoise Gilot, Leben mit Picasso

Die Beziehung zwischen Künstler und Muse scheint ein alter Hut zu sein. Wie lohnenswert es jedoch sein kann, diese durchaus klischeebehaftete Konstellation einmal genauer in Augenschein zu nehmen, zeigen die bereits 1964 lebhaft niedergeschriebenen Erinnerungen Françoise Gilots: Die französische Malerin lässt uns nicht nur Zeuge ihrer außergewöhnlichen Liebesgeschichte mit dem damals fast 70-jährigen Picasso werden, sondern ebnet mit ihrem Buch „Leben mit Picasso“ gleichzeitig den Weg für ein tieferes Verständnis seines künstlerischen Œuvres.

Layla Burger-Lichtenstein — 1. März 2013
Unser Buch des Monats im März: Françoise Gilot, Leben mit Picasso

Unser Buch des Monats im März: Françoise Gilot, Leben mit Picasso

Zehn Jahre lebte Françoise Gilot an der Seite des 40 Jahre älteren Pablo Picasso und war ihm Schülerin, Muse und Geliebte zugleich. In ihrem Buch „Leben mit Picasso“ eröffnet sie uns einen ungeahnt intimen und aufschlussreichen Blick auf das Leben und Schaffen des kreativen Multitalents. Anhand zahlreicher Anekdoten und Zitate gelingt es Gilot dabei spielerisch ein Bild des Menschen Picasso hinter der Kultfigur zu zeichnen, sodass wir das gefeierte Genie als zutiefst widersprüchlichen und temperamentvollen Charakter erleben, das trotz zahlreicher Bewunderer einsam blieb. So ist „Leben mit Picasso“ nicht nur die Geschichte Picassos, sondern vor allem die der jungen Françoise Gilot und ihrer inneren Kämpfe mit dem impulsiven Künstler. „Göttinnen und Fußabtreter“ seien nach Picasso die einzigen Kategorien, in die sich Frauen einteilen lassen. Wie schnell Gilot, seine Geliebte und spätere Mutter seiner Kinder, von der Angebeteten zum Opfer wurde, verdeutlichen erbarmungslose Sticheleien und amouröse Eskapaden. Zunächst akzeptierte die junge Malerin mit stoischer Geduld die Fehler ihres Geliebten und erlebte damitPicassos zwiespältige Persönlichkeit bald ebenso wie zahlreiche Frauen vor ihr.

Komplizierte Liebesgeschichte, Kunstbuch und historisches Zeugnis

Lediglich in der Kunst fand das gegensätzliche Paar jenes Verständnis füreinander, das ihnen im Alltag so oft zu fehlen schien. Durch die Augen seiner Muse verfolgen wir Schritt für Schritt, wie zahlreiche Hauptwerke Picassos entstehen, erhalten Einblicke in seine reiche Gedankenwelt und begreifen die ästhetischen Regeln, die seinen Werken zugrunde liegen. Auch im Austausch mit zahlreichen Künstlern der Pariser Bohème lernen wir die Ambitionen des Künstlers verstehen und begegnen in kleinen Episoden ganz nebenbei Kunst-Stars wie Henri Matisse, André Breton und Marc Chagall. Eben diese bunte Mischung aus komplizierter Liebesgeschichte, Kunstbuch und historischem Zeugnis macht Gilots „Leben mit Picasso“ heute noch genauso lesenswert wir vor rund 50 Jahren.

Françoise Gilot, Leben mit Picasso erstmalig 1964 veröffentlicht  in den USA, 1981 erschienen im Diogenes Verlag Taschenbuch, 352 Seiten ISBN: 978-3-257-21584-7 12,90 Euro erhältlich im Städel Museumsshop


Die Kulturmanagement-Studentin Layla Burger-Lichtenstein macht derzeit ein Praktikum in der Fundraising-Abteilung des Städel. Während einer Urlaubreise an die sonnenverwöhnte Côte d’Azur im vergangenen Jahr entdeckte sie im Musée Picasso (Antibes) ihre Begeisterung für die Werke des kreativen Allround-Talents.

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