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„Findet mich das Glück?“ von Fischli/Weiss

Alltäglich und existenziell zugleich – die Fragen des Künstlerduos Fischli/Weiss haben es in sich! 2003 als Installation mit Diapositiven entwickelt, erschien die Arbeit im gleichen Jahr ebenfalls in Buchform. Inzwischen zählt „Findet mich das Glück?“ zu den meistverkauften Künstlerbüchern überhaupt. Völlig zu Recht, wie wir finden, und somit ist das Werk unser Buchtipp im Juli.

Silke Janßen — 10. Juli 2013
Unser Buchtipp für den Juli: "Findet mich das Glück?" von Peter Fischli und David Weiss

Unser Buchtipp für den Juli: "Findet mit das Glück" von Peter Fischli und David Weiss

„Ist die Welt voll von geheimen Botschaften?“ „Wie schmücke ich mein Bäumchen?“ „Soll ich in Bremgarten heimlich ein Zimmer mieten?“ „Kann man die Realität noch als solche bezeichnen?“

In dem vom Duo Fischli/Weiss gestalteten Künstlerbuch „Findet mich das Glück?“ werden wir mit Hunderten solcher Fragen konfrontiert. Fragen, die sowohl selbstverständlich wie skurril, unspezifisch wie die Welt erfassend, banal wie gleichzeitig verzaubernd erscheinen. Auf den schwarzen Doppelseiten werden in immer gleich bleibendem Design vier von den Künstlern handgeschriebene Fragen angeordnet, auch durchgestrichene Entwürfe und korrigierte Formulierungen sind zu sehen. Antworten auf die Fragen gibt es in dem schwarzen Büchlein jedoch nicht.

Ironische Konstellationen

Auf der Venedig Biennale im Jahr 2003 stellte das Künstlerduo ihre über mehrere Jahre gesammelten Fragen bereits in der Installation „Kleine Fragen, große Fragen“ aus: insgesamt  405 Diapositive umfasst die sequenzielle Projektion, für die Fischli und Weiss auch mit dem Goldenen Löwen der Biennale ausgezeichnet wurden. Der Titel des Werkes in Buchform „Findet mich das Glück?“ mag auf den ersten Blick an Esoterikliteratur erinnern. Doch Zufall, Ursache, Wirkung und Welt werden in dem Fragenarrangement von Fischli/Weiss zu ironischen Konstellationen, der Alltag bleibt ebenfalls immer in der Nähe: „Soll ich liegenbleiben?“ Diesen gewöhnlichen Mechanismen wird mit Witz nachgespürt, es darf philosophiert werden, dank des handlichen Formats auch am Badesee oder im Café.

Publikumslieblinge

Das aus Zürich stammende Künstlerduo Peter Fischli (*1952) und David Weiss (1946–2012) arbeitete seit 1979 bis zum Tod von David Weiss im April 2012 zusammen. Zu ihrer bekanntesten Arbeit zählt sicherlich der 1987 auf der documenta 8  gezeigte Film „Der Lauf der Dinge“. Über zwei Jahre tüftelten sie an diesem Werk, dass mit einem einzigen Kameraschnitt eine zugleich verblüffend, wie auch beiläufig wirkende, insgesamt rund 10-minütige Kettenreaktion festhält. Mit feinem Humor, Elementen des Slapsticks und einem minutiös geplanten Ablauf avancierte „Der Lauf der Dinge“ zum Publikumsliebling der documenta 8 und machte seine Urheber zudem international bekannt. Neben Foto- und Filmprojekten sowie Objekten und Skulpturengruppen zählen auch Publikationen wie „Findet mich das Glück?“ zum Werk des Duos. Das Künstlerbuch endet übrigens mit der Frage „Sucht mich das Glück am falschen Ort?“ Wir finden: Nein.

Peter Fischli/David Weiss, Findet mich das Glück? Verlag der Buchhandlung Walther König, 11. Auflage Köln 2008 Broschiert, 168 Seiten ISBN 3-88375-630-x 9,90 Euro erhältlich im Städel Museumsshop


Die Autorin Silke Janßen ist Pressereferentin im Städel Museum. Eine Frage stellt sie sich seit Lektüre des Werks ständig: „Wohin steuert die Galaxis?“

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