Künstliche Intelligenz verändert unsere Gesellschaft und stellt auch Museen vor neue Fragen. Mit dem Städel KI Festival lädt das Städel Museum dazu ein, gemeinsam über die Zukunft von Kunst, Bildung und Miteinander nachzudenken. Im Interview erklären Pamela Rohde und Chantal Eschenfelder, warum das Städel Museum genau der richtige Ort dafür ist.
Warum ist das Städel Museum genau der richtige Ort für ein Festival, dass sich mit Fragen zur Rolle des Museums und dem Zugang zur Kunst und zu Wissen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz beschäftigt?
Pamela Rohde: Künstliche Intelligenz wird gesamtgesellschaftlich als Zukunftstechnologie diskutiert. Wir bringen mit dem KI-Festival diese Transformation ins Städel Museum, denn als Bildungsinstitution und Lernort verstehen wir uns als Teil dieses Diskurses. Mit dem KI-Festival sind wir zum einen Plattform für einen aktiven Austausch. Zum anderen haben wir im Zuge unserer eigenen digitalen Transformation viele Kunstvermittlungsangebote und singuläre Projekte entwickelt und dabei wertvolle Erfahrungen gesammelt, über die wir berichten können: Wir möchten und können also auch aktiv mitdiskutieren.
Was hat es mit dem Titel des Festivals „Imagining Futures in Noisy Times“ auf sich?
Chantal Eschenfelder: Uns ist es wichtig zu betonen, dass es nicht nur eine Zukunft gibt, die irgendwann vom Himmel fällt, sondern dass wir alle unsere unterschiedlichen Vorstellungen von Zukunft erst imaginieren und dann auch gestalten können. Museen sind geeignete Orte, um Imaginationskraft und Kreativität zu schulen. Die Kunst von gestern kann uns nicht nur viel über das heute erzählen, sondern auch Impulse zur Gestaltung unserer Zukunft liefern. „Noisy times“ hingegen bezieht sich auf den erhitzten Diskurs über die Zukunft unserer Gesellschaft in Zeiten von KI. Die Tatsache, dass hier viele eine Meinung, aber nur wenige eine Vorstellung haben, erzeugt ein mediales Grundrauschen, das Orientierung und Zuversicht erschwert. Das Festival möchte eine Plattform für eine sachliche und vielfältige Debatte dieser Themen bieten.
Pamela Rohde: Der Titel ist ein poetischer Appell, eine Einladung an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Festivals, mit uns über Zukunftsszenarien des Museums im KI-Zeitalter nachzudenken. Auch nach mehr als 200 Jahren hat das Städel Museum die Zukunft fest im Blick: Es geht nicht nur darum, dieses Museum und das gemeinsame kulturelle Erbe für kommende Generationen zu erhalten, sondern auch unseren Bildungsauftrag in die Zukunft zu führen. Also weiterhin ein zeitgemäßes und zukunftsfähiges Programm für unsere Besucherinnen und Besucher zu gestalten.
Das Städel Museum ist ebenso bekannt für seine hochkarätige Sammlung mit Werken aus über 700 Jahren Kunst. Inwiefern liefert dieser historische Rahmen ganz besondere Perspektiven auf technologische und gesellschaftliche Zukunftsfragen?
Chantal Eschenfelder: Auch in früheren Zeiten gab es technologischen Fortschritt, der stets auch Auswirkungen auf die gesellschaftliche Entwicklung hatte, wie z.B. die Erfindung des Buchdrucks, der Dampfmaschine oder der Fotografie. Diese Phänomene spiegeln sich auch in der Kunst, insbesondere was den Wandel medialer Kommunikationsformen angeht. Die Auswirkungen dieser Entwicklung auf Gesellschaft, Bildung und das Miteinander werden in der Kunst sichtbar und können als Anregungen für die heutige Debatte über KI und ihre Auswirkungen dienen.
Für wen ist das Städel KI Festival besonders interessant? Was können die Besucher erwarten?
Pamela Rohde: Wir haben das KI-Festival bewusst als eine offene Plattform konzipiert. Das Städel Museum lebt von großem bürgerschaftlichem Engagement und von einer interessierten und kritischen Stadtgesellschaft. Als Museum von allen für alle, haben wir auch das Festivalprogramm entwickelt – es richtet sich an Kunst- und KI-Interessierte aber auch an Young Professionals und Museumsexperten.
Chantal Eschenfelder: Das KI-Festival umfasst drei Schwerpunkte: Talks und Panels auf der Bühne, Workshops sowie Führungen durch die Städel Sammlung. Das Programm ist bewusst so konzipiert, dass für jeden was dabei ist und man auswählen kann – sowohl bei den Themen als auch bei den Formaten, die von Vorträgen bis zu kreativen KI-Stationen reichen. Dabei geht es um Trustworthy AI, Bildung im KI-Zeitalter und den Potenzialen von KI für die Kunstvermittlung und Museumskommunikation im weitesten Sinne.
Auf welche Momente oder Programmpunkte beim KI Festival fiebert ihr am meisten hin?
Pamela Rohde: Besonders freue ich mich, dass es uns gelungen ist etwa mit Constanze Kurz, Hito Steyerl oder Björn Ommer wichtige Stimmen der KI-Transformation für das Festival im Städel zu begeistern; auf die Workshops und Open Labs mit den vielen Partnern und KI-Playern aus Frankfurt und der Region; und natürlich sehr auf die vielen Gedanken, Meinungen und persönlichen Begegnungen mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Festivals.
Chantal Eschenfelder: Da schließe ich mich natürlich an! Außerdem freue ich mich auf den Beitrag von Bernhard Pörksen, damit wir gerade in Zeiten des Grundrauschens das Zuhören nicht vergessen. Gespannt bin ich auf die Antworten von Kai Voges und Johanna Zorn, ob uns Kunst uns resilient gegen den digitalen Overload macht. Mit The Future Project können wir gemeinsam am Museum der Zukunft arbeiten, oder mit Björn Schuller die Frage diskutieren, ob KI tatsächlich fühlen kann.
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